Referat von: Dr. Kai Ali Rachid Lühr
Video: Warum ALLAH gehorchen?
Möge Allah (t) meinen bescheidenen Beitrag belohnen und Euch jeden gelesenen Buchstaben in Euer Buch schreiben.
Beginnen wir im Jahr 2004 zu Ostern. Einer unserer Patienten lud meine Frau und mich zum Abendessen ein und sagte: "Heute unterhalten wir uns über den Islam." Nach anfänglichem Zögern wurde die Unterhaltung immer entspannter und faszinierte uns bis in die letzte Zelle - die Rechtleitung begann. Eine neue Welt tat sich für meine geliebte Frau und mich auf, es war wie eine Tür, die für uns geöffnet wurde. Ich für meinen Teil war noch ganz auf die rationale Welt eingestellt, nennen wir sie den Kopf. Frauen haben ja bekanntlich eine bessere Intuition, nennen wir sie Bauch. Es dauerte vier Wochen, bis die Entscheidung zuerst bei meiner Frau fiel: "Ich werde Allah gehorchen!" Auch ich konnte nicht anders: Der Kopf wollte gerne noch zögern und überlegen, der Bauch strebte danach, schnellstmöglich das Christentum abzulegen und sich zum Islam zu bekennen. Denn wir konnten nur gewinnen. Kurz darauf legten wir unser Glaubensbekenntnis ab und starteten ein Leben, das wir so noch nicht gekannt haben. Wir wussten: Wir wollen Allah (t) gehorchen und - soweit es in unserer kleinen Macht liegt - Seine Gesetze befolgen.
Warum Allah (t) gehorchen? Weil wir das Beste erhalten haben.
Liebe Schwester, lieber Bruder,
weißt Du eigentlich, was Du für einen Schatz besitzt? Ist Dir das jede Sekunde bewusst? Ich denke schon. Tief in Deinem Innersten weißt Du, wo Du hingehörst. Du gehörst Allah (t), Der Dich erschaffen hat und Dir das Beste gegeben hat, was Er für Seine geliebten Geschöpfe herab gesandt hat: den Qur'an mit Seiner unendliche Liebe. Diese Liebe, die die Menschen zwar auf die Probe stellt, aber die schönste aller Belohnungen bereithält: das Paradies. Und damit Er Seine gläubigen Diener dort versammeln kann, hat Er ihnen die passenden Anweisungen über Seine Propheten gesandt. Wobei unserem Propheten Muhammad (a.s.s.) die größte Bedeutung zukommt, da er die letzten und vollständigsten Wahrheiten zur Übermittelung an alle Menschen erhielt:
[…] Heute haben die Ungläubigen vor eurem Glauben resigniert; also fürchtet nicht sie, sondern fürchtet Mich. Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt. […] (Sure 5:3)
SubhanaAllah, Alhamdulillah, Allah-u akbar! Wir gehören dazu! Uns hat Allah (t) ausgewählt, Seiner wahren Religion zu folgen. Ausgewählt, um die Ganzheit Seiner universellen Kraft zu erkennen, ausgewählt, um Ihm zu dienen. Das Glaubensbekenntnis, fünf Gebete pro Tag, Bedürftigen zu spenden, das Fasten im Monat Ramadan, und wenn möglich einmal im Leben die Wallfahrt nach Mekka sind unseren kleinen Pflichten dafür.
Die Frage dieses Aufsatzes sollte nicht lauten: "Warum Allah gehorchen?", sondern "Alhamdulillah, wir dürfen Allah (t) gehorchen!" Denn Er hat uns Seine Gnade geschenkt, und Gnade kommt vor Recht. Wo auf der Welt werden Fehler (schlechte Taten) einfach, richtiges Handeln (gute Taten) zehnfach bewertet? Meist wird doch nur auf die Fehler der Menschen geschaut, über sie geredet und diese verurteilt. Allah (t) will es uns dagegen leicht machen: In Seinem Punktesystem ist mehr als Gerechtigkeit, also lasst uns nicht zögern, alles zu tun, was Ihm gefällt. Es ist wie ein Bumerang: Von alle guten Taten profitieren nur wir alleine, alles kommt auf unser Haben-Konto.
Alsdann vergaben wir euch, auf dass ihr dankbar sein möget. (Sure 2:52)
Warum Allah (t) gehorchen? Weil Alternativen unbrauchbar sind.
Der Mensch neigt dazu, sein Leben ständig anzuzweifeln. Er hadert mit seinem Schicksal. Schwierigkeiten im Beruf, Arbeitslosigkeit, Geldmangel, unangenehme Begegnungen mit anderen Menschen, enttäuschte Erwartungshaltungen oder unklare depressive Verstimmungen bestimmen sein Denken mehr als gewünscht. Der Kopf hört nicht auf zu denken, hört nicht auf, eine Lösung zu suchen. Vergessen wird hierbei, dass alles was passiert, Allahs Wille ist. Und wenn der Kopf nicht weiter weiß, weil er sich zwischen diversen Lösungen nicht entscheiden kann, wird die Lösung in der sichtbaren oder unsichtbaren Welt gesucht. Amulette in Form von Schmuck oder Wohnungsaccessoires sind ein gutes Beispiel hierfür. Dabei liegt die Lösung alleine in der Akzeptanz des Geschehens und der Zuflucht bei Allah (t). Nur bei Ihm finden wir Trost, Hoffnung und Erfüllung unserer innersten Wünsche. Wenn wir damit beginnen, alles, wirklich alles anzunehmen und es nicht mehr in Frage zu stellen, versetzt uns Allah (t) in die Lage, sowohl mit vermeintlich positiven wie negativen Geschehnissen fertig zu werden.
"Wenn Menschen glauben, sie könnten sich durch Verbindung mit irgendwelchen mysteriösen Geistern dem Kampf und Streben ihres eigenen Lebens und der Alltagswirklichkeit entziehen, irren sie sich gründlich. Es ist unvernünftig, den Pflichten entgehen zu wollen, die wir in unserer eigenen Umgebung erkennen, oder den Folgen des eigenen Handelns entkommen zu wollen. Dies tun nur solche Menschen, die nicht erkennen, dass sie sich letztendlich vor Allahs Richterstuhl verantworten müssen und bereits in ihrem eigenen Gewissen warnende Stimmen vorhanden sind."
*(Yusuf'Ali in Daily Tafsir Nr. 116 vom 09.05.2006 zur Sure 72, 6 [vgl. Daily Tafsir Online auf http:///www.umma.info/comments.php]: ungefähre Übersetzung: Und es gab unter den Menschen immer wieder Männer, die bei Männern von den Dschinn Zuflucht suchten. Doch es verstärkte nur ihre Bedrängnis.)
Warum Allah (t) gehorchen? Weil nur Er die Lösung kennt.
Allah (t) hat uns ein immenses Machtinstrument gegeben: das Gebet! Fünf mal täglich verpflichtet Er uns, Ihn anzubeten. Vom Alltag zu entfliehen, zur Ruhe zu kommen, die spirituelle Verbindung zwischen unserem innersten Ich und Seiner wunderbaren kosmischen Kraft zu suchen. Die Gebete sollten wie ein kleiner Urlaub sein, Urlaub vom Weltlichen, Urlaub vom Stress, Urlaub von Entscheidungen, Urlaub von unseren Zweifeln. Wenn wir unsere Gebete machen, unseren Kopf ausschalten, unsere Gefühle zulassen, spüren wir körperlich die unsichtbare Kraft von Allah (t).
Und am Ende des Gebetes sollen Bittgebete stehen. Bittgebete für uns, für unsere Familien, für unsere Nächsten, für unsere Brüder und Schwestern. Und hier liegt die Lösung unserer Zweifel: Alle Entscheidungen, die täglich zu treffen sind, dürfen - ja müssen - wir Allah (t) vortragen, damit diese Entscheidungen zu unserem Vorteil sind. Denn nur mit Seinem Segen werden wir die passenden Lösungen finden. Ein Hadith besagt:
Abû Huraira (r) berichtete:
Der Gesandte Allahs (a.s.s.) sagte:
"Allahs Zorn kommt auf denjenigen herab, der an Ihn keine Bittgebete richtet." (Tirmîdhî)
Dies besagt doch: dass wir ohne Bittgebete zu bestimmten Entscheidungen immer zum falschen Ergebnis kommen. Dass unsere Angelegenheiten für uns belastend werden, wenn wir diesem Befehl Allahs nicht gehorchen. Also warum zögern wir noch, alles - wirklich alles - Allah (t) vorzutragen und um Seine Entscheidung zu bitten?
Hierzu eine wichtige Anmerkung: Unser Gehirn neigt dazu, logische Entscheidungen zu treffen. Das Gehirn, diese Kombination aus Bewusstsein und Unterbewusstsein, denkt aber ständig über die Konsequenzen nach, und zwar in beide Richtungen: Was wäre gewesen, wenn ich mich anders entschieden hätte? War meine logische Entscheidung richtig und was für Konsequenzen entstehen für mich und meine Umwelt daraus? Entstehen mir Vor- oder Nachteile? Allah (t) hat uns mit diesen Eigenschaften geschaffen, also sind sie nicht falsch. Sie erschweren uns nur unser tägliches Leben. Er hat uns jedoch eine andere Eigenschaft gegeben, nennen wir sie Intuition. Dieses Bauchgefühl, diese innere Stimme, das ist unsere Verbindung zu der kosmischen Kraft. Nimm nur das Beispiel des Frisch-Verliebt-Seins. Da wird der Kopf völlig ausgeschaltet, sämtliche rationalen Beweggründe sind wie weggeblasen, es hat einen erwischt. Für die Außenwelt völlig unverständlich schwebt man auf einer rosaroten Wolke, es gibt keine Zweifel, keine Krankheiten, keinen Stress. Dieses Gefühl ist Dein innerstes Ich, Deine Seele. Wir sollten täglich daran arbeiten, diese Seele leben zu lassen und sie nicht im Müll des Alltags zu vergessen. Allah (t) kennt jede Lösung und gibt sie in unsere Seele, wenn wir Ihn darum bitten. Oder will wirklich irgendjemand Seinen Zorn auf sich laden?
Warum Allah (t) gehorchen? Weil Du gar nicht anders kannst!
Allah (t) sagt uns sinngemäß im Koran (Tafsir, Al-Qur´an Al-Karim 2003, Islamische Bibliothek Köln, S. 520) in Sure 11:56: Ich aber vertraue auf Allah, meinen Herrn und euren Herrn. Kein Geschöpf bewegt sich (auf Erden), das Er nicht in Seine Richtung steuert. Seht, mein Herr ist auf dem geraden Weg.
Eine der bedeutendsten Aussagen in dieser letzten Göttlichen Offenbarung. Alles passiert nach Seinem Willen. Ob Du arbeitslos bist oder in Arbeit erstickst, ob Du traurig bist oder von Glück wie benommen, ob Dein Nachbar Dir auf die Nerven geht oder Du mit einem Fremden ein freudiges Gespräch hast, ob ein Fahrradfahrer vor Dir bei Rot über die Ampel fährt und Du eine Vollbremsung machen musst, ob Dein Bruder/ Deine Schwester eine andere Meinung hat, welchen Ehepartner Du bekommst oder verlierst, wann der Todesengel kommt und Dich oder Deine Liebsten mitnimmt - es geschieht nach dem Willen unseres Herrn.
Und was soll uns diese Aussage sagen? Weder Dein Wesen noch Deine Umwelt machen Fehler! Denn das würde bedeuten, dass Allah (t) Fehler macht. Er aber ist unfehlbar, allmächtig, jederzeit und an jedem Ort präsent, steuert dieses Universum nach Seinem Plan wie ein riesiges Uhrwerk. Seit Jahrtausenden hadert der Mensch mit seinem Schicksal, fragt sich nach dem "Warum?", strebt nach weltlichem und/ oder spirituellem Reichtum, lernt (hoffentlich) im Laufe seines Lebens hinzu und stirbt zu einem vorbestimmten Zeitpunkt. Jede Generation bekommt seine Chance wieder aufs Neue, und Allah (t) bestimmt dabei, wen Er als seinen Diener auserwählt: "Und glaubt nur denen, die eure Religion befolgen." Sprich: "Seht, die (wahre) Rechtleitung ist die Rechtleitung Allahs." Dass (auch) einem (anderen) gegeben werde, was euch gegeben worden ist, oder wenn sie mit euch vor eurem Herrn streiten, so sprich: "Seht, die Huld ist in Allahs Hand, Er gewährt sie, wem Er will. Und Allah ist Allumfassend und Allwissend. " (Sure 3:73)
Er stellt ihn immer wieder auf die Probe in Erwartung der richtigen Entscheidung. Somit geschehen alle Ereignisse um Dich herum nur aus einem einzigen Grund: Allah (t) liebt Dich und fordert Dich als Dank für Deine Rechtleitung zum unabdingbaren Gehorsam heraus. Es ist ein einfacher Handel: Du bist gottesfürchtig (ein wahrer Muslim), befolgst Seine Gebote, versuchst Ihm jede Sekunde zu gefallen - und als Dank erhältst Du den großartigsten Lohn, den es in diesem Universum gibt: Das Paradies!
Ali, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete[1]:
Einmal nahmen wir an einem Trauerzug in Baqie` Al-Gharqad teil. Da kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, zu uns. Er saß, und wir saßen um ihn umher. Er hatte einen Stock in seiner Hand. Er senkte den Kopf schweigend und begann die Erde (vor ihm) mit dem Stock zu zerkratzen.
Dann sagte er: "Es gibt keinen von euch bzw. keine lebendige Seele, ohne das Allah seinen oder ihren Platz entweder im Paradies oder in der Hölle schon bestimmte, und ohne dass ihr Glück oder Unglück vorgeschrieben ist."
Da sagte ein Mann: "O Gesandter Allahs, warum ergeben wir uns denn unserem Schicksal nicht, das in der wohlverwahrten Tafel vorgeschrieben ist, und beachten das Werk nicht?"
Er antwortete: "Wer zu den glücklichen Leuten gehört, der wird Gutes tun. Wer aber zu den unglücklichen Leuten gehört, der wird Böses tun. (Ihr Menschen!) Wirket! Jedem ist der Weg leicht gemacht: Den glücklichen Leuten wird der Weg zum guten Werk erleichtert, und den unglücklichen Leuten wird der Weg zum bösen Werk erleichtert."
Dann rezitierte er: "Jener aber, der gibt und gottesfürchtig ist und an das Beste glaubt, dem wollen Wir den Weg zum Heil leicht machen. Jener aber, der geizt und gleichgültig ist und das Beste leugnete, dem wollen Wir den Weg zur Drangsal leicht machen." (Sure Al-Layl (92), Vers 5-10)
Yusuf´Ali schrieb einen schönen Satz zur Erklärung des Verses 12 in der Sure Al-Dschinn (72) in Die Bedeutung des Koran - Band 5 (Doch wir meinen, dass wir Allah nie entrinnen können auf Erden, und dass wir uns Ihm (auch) nie durch Flucht entziehen können.): "Jedenfalls wissen sie, dass Allahs Plan und Allahs Wahrheit letztendlich verwirklicht wird, und niemand Allahs Absichten vereiteln kann. Warum sollten wir dann nicht unseren menschlichen Willen in Einklang mit dem Seinen bringen und Frieden finden, wie wir ihn durch den Glauben gefunden haben?" Willkommen zum harmonischen Miteinander. Stell´ Dir vor, die Widerstände im Leben brechen weg, stell Dir vor, Du lebst in vollkommenem Gleichklang mit allen Ereignissen um Dich herum, stell´ Dir vor Dein Glück auf dieser Erde ist kaum mehr fassbar! Das wäre der Zustand, wenn wir den Willen Allahs zulassen und uns nicht mehr dagegen wehren. Dann läufst auch Du in diesem universellen Uhrwerk rund und bist Teil des Ganzen.
Warum Allah (t) gehorchen? Was wäre denn die Alternative?
Unser Bruder Salahedin (Pierre Vogel) sagte einmal in einem seiner Vorträge[2]: Es gibt drei Wege zu Allah (t), den Weg der Liebe, den Weg der Hoffnung (auf das Paradies), und den Weg der Angst. Jeder gläubige Muslim wählt seinen eigenen Weg. Die ersten zwei haben wir oben erarbeit, für die dritte Gruppe brauchen wir nur den Heiligen Qur'an zu rezitieren:
Und die Folge (davon) wird sein, dass beide im Feuer sein werden und darin auf ewig bleiben. Und das ist der Lohn der Ungerechten. O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah; und eine jede Seele schaue nach dem, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist dessen wohl kundig, was ihr tut. Und seid nicht wie jene, die Allah vergaßen und die Er darum ihre eigenen Seelen vergessen ließ. Das sind die Frevler. Nicht gleich sind die Bewohner des Feuers und die Bewohner des Paradieses. Es sind die Bewohner des Paradieses, die erfolgreich sind.
Hätten Wir diesen Qur'an auf einen Berg herab gesandt, hättest du gesehen, wie er sich gedemütigt und aus Furcht vor Allah gespalten hätte. Und solche Gleichnisse prägen Wir für die Menschen, auf dass sie nachdenken mögen. Er ist Allah, außer dem kein Gott da ist; Er ist der Kenner des Verborgenen und des Sichtbaren. Er ist der Allerbarmer, der Barmherzige. Er ist Allah, außer Dem kein Gott da ist; Er ist der Herrscher, der Einzigheilige, der Friede, der Verleiher von Sicherheit, der Überwacher, der Allmächtige, der Unterwerfer, der Erhabene. Gepriesen sei Allah über all das, was sie (Ihm) beigesellen, Er ist Allah, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Ihm stehen "die Schönsten Namen" zu. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist Ihn, und Er ist der Erhabene, der Allweise. (Sure 59:17-24)
[1] (Bukhârî, Muslim, Tirmîdhî, Abû Dâwûd, Ibn Mâjah und Ahmad Ibn Hanbal)
[2] http://www.diewahrereligion.de, Vortrag Wuppertal 14.04.2006
Quelle: http://www.way-to-allah.com/themen/AllahGehorchen.html (28.12.2008)
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